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Dienstag, 10. Juni 2014

Cuenca und die Küste

Mit dem Hostel-Rad am Rio Tomebamba
Nach kurzem und angenehmem Zwischenaufenthalt in Baños (de Agua Santa), wo ich nochmal ein bisschen zum Wandern kam und abends im vulkanischen Thermalbad entspannte, fuhr ich acht Stunden Bus und erreichte Cuenca. Viele hatten mir berichtet, es sei ihre Lieblingsstadt in Eucador und ich bin geneigt, ihnen Recht zu geben: Es war etwas wärmer als in Quito, die Sehenswürdigkeiten waren alle zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen und die Lage mit Bergpanorama zwischen vier Flüssen ist etwas Besonderes.

Archäologischer Park Pumapungo
Das Museum Pumapungo liegt an der archäologischen Ausgrabungsstätte eines ehemaligen Inkapalastes, in dem unter anderem der berühmte Atahualpa residierte, welcher schließlich von den kolonisierenden Spaniern entführt und auch gegen das verlangte Lösegeld (Zimmer voller Gold und Silber) nicht mehr freigelassen wurde. Der Palast war gewaltig und zu Inkazeiten das Verwaltungszentrum des Gebietes, das wir heute als Ecuador kennen. Der Park ist sehenswert, aber auch das Museum selbst bietet einiges. Die ethnographische Abteilung gibt einen breiten Überblick über alle indigenen Nationalitäten des Landes und beschreibt, wo und wie sie leben.

Schrumpfkopf oder Tzantza
Ausführlich wird auch der Brauch der Schrumpfkopfherstellung der Shuar-Indianer beschrieben, ohne sensationslüstern die Erläuterung des spirituellen Hintergrundes vermissen zu lassen. Das Schrumpfkopfmachen aus Menschen ist heute natürlich verboten und wurde vor etwa 70 Jahren von den Shuar aufgegeben. Manche Shuargemeinden greifen jedoch für dieses traditionelle Übergangsritual ins Erwachsenenalter angeblich auf Faultiere zurück. Fakt ist auch, dass es scheinbar in der Welt Menschen gibt, die viel Geld für einen echten Schrumpfkopf ausgeben, was eine regelrechte "Tzantza-Mafia" gelegentlich zur Entführung und Enthauptung von Menschen treibt. Perverses Geschäft!

Hüte über Hüte über Hüte
An einem anderen Tag ging ich in die Hutmanufaktur von Homero Ortega, einer der ältesten Fabriken von Panamahüten in Ecuador. Panamahüte müssten übrigens eigentlich Ecuadorhüte heißen, denn sie wurden lediglich nach dem Land benannt, wo traditionell der Urprungshafen für die Verschiffung in die weite Welt lag. Die Hüte reichen je nach Qualität von 30 bis 2000 Dollar an Wert und es gibt eine große Menge verschiedener Designs. Die Formpressen stammen übrigens aus Deutschland und sind etwa 110 Jahre alt.

Blick nach Norden auf Olón
Viel besser gehts nicht :)
Nach dem Hochland nahm ich eine weitere achtstündige Busverbindung nach Montañita, einem touristischen kleinen Ort an der Pazifikküste. Malerisch gelegen und mit einer Unmenge an Restaurants, Bars, Diskos und Surfshops ist hier vor allem Party angesagt. Ganz nett, aber ich quartierte mich lieber oberhalb  am Hang ein und genoss nachts etwas mehr Ruhe. Bei einem Strandspaziergang gabs außerdem einen leckeren Teller mit Shrimps, welche in der Nacht zuvor direkt hier gefangen wurden. Hier wird nicht überfischt, sondern der von den kleinen Kuttern eingebrachte Fang in der Früh mit Motorrädern oberhalb und unterhalb am Strand an Restaurants und Touristen verkauft.

Bilderrätsel: Was ist das?
Mittlerweile bin ich schon weiter im Norden an der Küste in Canoa. Ein kleines Strandparadies zum Entspannen. Ich kam gerade rechtzeitig um abends noch einen schönen Sonnenuntergang zu erleben. Beim Strandspaziergang gestern holte ich mir einen leichten Sonnenbrand, denn hier ist es von allen Orten, an denen ich in den letzten drei Monaten war, am heißesten - gut über 30 Grad bei strahlender Sonne. Ein guter Ort, um meinen Ecuadoraufenthalt ausklingen zu lassen. Außerdem habe ich das Gefühl jetzt (bis auf Galápagos) alle Gegenden Ecuadors recht gut kennengelernt zu haben.

Die nächsten Einträge in diesem Blog kommen wieder aus Deutschland, denn schon heute Nacht nehme ich einen Bus zurück nach Quito und freue mich darauf, alle im deutschen Sommer wiederzusehen!
Sonnenuntergang in Canoa

Freitag, 30. Mai 2014

Regenwald intensiv, die Zweite

"Lobby" und Aufenthaltsraum
Feuerstelle und Esstisch/Arbeitsplatz
Wieder hat mich der Wald freigegeben. Diesmal verbrachte ich zwei Wochen im Hotel von Yuwientsa, einer Shuar-Gemeinde in der ecuadorianischen Provinz Morona-Santiago. Ich sage Hotel hier ganz ohne Ironie, denn ich hatte (wieder) Vollpension, ein sehr angenehmes Zimmer, und ein Vorzimmer mit Feuerstelle und Hängematten. Für meine Interviews wurde per Zeitplan gesorgt, so dass mit relativ großer Zuverlässigkeit die Interviewpartner selbst im Hotel erschienen und sich für meine Fragen Zeit nahmen. Anders als in Sharamentsa, das am Flussufer in einer Gegend ohne größere Erhebungen liegt, ist Yuwientsa umgeben von Hügeln. Das Hotel liegt auf einer Erhöhung, so dass man einen großzügigen Ausblick genießt. Geradezu luxuriöses Forscherleben :)
Boa(h)
Da wird der gelegentliche Besuch eines Skorpions im Zimmer hingenommen und die Spinnen mit ihren Netzen werden zu Beschützern vor den Moskitos. Lange hatte ich - abgesehen von Insekten und Vögeln - wenige der Attraktionen der typischen Dschungelfauna gesichtet. Doch eines Tages brachte einer meiner Begleiter eine zwei Meter lange Boa, die er auf dem Heimweg gefunden hatte, zum Anschauen mit ins Hotel. Jung und Alt bewunderte und streichelte die Schlange. Am Ende wurde sie am Fundort wieder ausgesetzt. 
Eine kleine Großspinne
Kurz darauf sah ich dann meine ersten Großspinnen, die im aus Blättern dicht gewebten Dach des Hotels Schaben und kleine Fledermäuse jagten. Leider sind die Spinnen nicht wie die Schlange zum Streicheln geeignet, da manche Tarantelarten als Abwehrreaktion schmerzhafte Haarpfeile verschießen. Sie sind aber auf ihre eigene Weise schön und faszinierend, finde ich.
Wenn die Wasserleitung, die auch vom Rest des Dorfes genutzt wird, überlastet war und vorübergehend versiegte, lohnte es sich, auf die Alternative vor Ort zurückzugreifen: Baden im Fluss! Wundervoll, erfrischend aber nicht kalt, ganz nah und nach einem heißen Dschungeltag mit Arbeit und Sport genau das Richtige.
Die Lagune und ihr Herr
Eines der Highlights war der Besuch der Lagune eines der hiesigen Väter des Projekts. Er züchtet Fisch zur Nahrungsversorgung und pflegt den Tierreichtum der Umgebung. Er hat die Idee, einmal eine Art Wildpark einzurichten, so dass man in einem eingezäunten Gebiet die Tiere des Waldes beobachten kann. Er ist ein Visionär, einer derjenigen, der sich schon lange vor dem Erscheinen der Stiftung für den Erhalt der Flora und Fauna rund um sein Heimatdorf einsetzte und zum Beispiel gegen das Fischen mit Dynamit und Gift vorging. In paradiesischer Umgebung tauschten wir uns über die Zukunft aus, und über die Hoffnung, die er in die nächste Generation setzt. Inspirierend!
Der unvergleichliche Flussblick
Auf der Rückreise aus dem Wald besuchte ich ein zweites Mal mein liebgewonnenes Achuar-Dorf Sharamentsa, diesmal in Begleitung der Stifungsleiterin Mascha Kauka, die von den Achuar Núnkui genannt wird (nach einem der guten Geister der Pflanzen), und von den Shuar Yaanua, die Sternenfrau (ein nicht untypischer Shuarname, bei dem Yaa Stern und Nua Frau bedeutet). Sie war den beiden Dörfern über die Jahre eine gute Freundin und Beschützerin und ist mit ihnen durch dick und dünn gegangen. Natürlich hat sie hat durch ihre jahrzehntelange Arbeit mit den Indigenen von Ecuador einen unerschöpflichen Reichtum an Geschichten, die nicht nur den Forscher in mir interessieren :)
"On the road again"
Seit heute bin ich wieder in Puyo und bereite mich nun auf eine kleine Rundreise durch Ecuador vor mit dem nächsten Ziel Cuenca. Danach soll es noch an die Küste gehen, bevor ich in zwei Wochen wieder nach Deutschland fliege.

Mittwoch, 26. März 2014

Leben in Quito

Basilica del Voto Nacional
Ich sitze wieder auf der Dachterrasse. Bevor ich nach Cotopaxi gefahren bin, hatte mich der Besitzer der Hostels, ein Australier, bereits angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, ein bisschen als "voluntario" auszuhelfen. Zunächst war ich mir nicht sicher, weil ich gerne mehr Einheimische kennenlernen wollte und dafür Couchsurfing besser geeignet ist. Doch am Ende habe ich mich entschieden den Job zu akzeptieren, denn er bietet mir viele Vorteile: Ich habe ein kostenloses Privatzimmer, kostenloses Frühstück und Abendessen, freie Getränke, und Internet. Dafür muss ich mich ab dem späten Nachmittag für ein paar Stunden um das Verteilen von Essen kümmern und bis 11 Uhr abends an der Rezeption aushelfen, also Fragen beantworten und Gästen ihre Zimmer zeigen. Außerdem bin ich verantwortlich für das all-abendliche Lagerfeuer auf der Dachterrasse, das wir auch bei Regen am Laufen halten. Es gibt bei weitem unangenehmere Jobs als mit Weltreisenden um ein Feuer zu sitzen und gelegentlich neue Drinks zu verteilen oder ein Taxi zu bestellen.

Blick in den Krater des Pululahua
Tzantza im Glaskasten
Diese Situation bedeutet für mich auch, dass ich fast den ganzen Tag über frei habe und mich nicht um allzuviel kümmern muss. Am Montag genoss ich den Blick von der Basilica del Voto Nacional, deren Türme bis ganz nach oben zu besteigen sind. Und gestern war ich mit einer Gruppe auf einem Ausflug zur Äquatorlinie, der so genannten "Mitte der Welt" (Mitad del Mundo). Nach einem Zwischenstop am alten Krater des Pululahua ging es zum Museum Inti Ñan (quechua für "Weg der Sonne"), dem geografischen Ort des Äquators, wo Charles-Marie de La Condamine im 18. Jahrhundert auf einer Expedition die Erde vermaß und unter anderem Grundlagenarbeit für das metrische Maßsystem leistete. Der Besuch des Museums beginnt leider mit einigen oberflächlichen Informationen zu den indigenen Bewohnern Ecuadors und wählt ausgerechnet die spektakulären Schrumpfköpfe der Shuar-Indianer als Beispiel. Wegen meines mittlerweile erweiterten Wissens habe ich mich über das verzerrte Portrait eher geärgert. Die Experimente mit den Korioliskräften an der Äquatorlinie haben mir dagegen wirklich Spaß gemacht. Ein Ei auf dem Kopf eines Nagels zu balancieren ist hier einfacher, und Wasser, das aus einem Becken unten abfließt, dreht sich auf der Nord- und Südhalbkugel in gegensätzlicher Richtung in den Strudel. Es gibt weder Tornados noch Taifune rund um die Erdmitte, also muss man sich bezüglich Naturkatastrophen an Erdbeben und Vulkanausbrüche halten ;-)

Spaziergang am Äquator
Doch nicht nur zum Tourismus habe ich gerade genug Zeit, auch meine Arbeit hat heute einen Schritt nach vorne gemacht. Nach einem glücklichen Zufallstreffen auf einer Münchner WG-Party hatte ein neuer Bekannter vor drei Wochen einen Kontakt für mich hergestellt. Nach ein paar E-Mails und einem Telefonat hatte ich eine Verabredung mit dem Chef eines für meine Arbeit sehr interessanten Tourismusunternehmens. Also nahm ich heute Früh ein Taxi in die Nordstadt und nach kurzer Wartezeit im Büro durfte ich fragen, was ich wollte. Mein Spanisch war teilweise ungewohnt holprig wegen der vielen Gedanken im Kopf, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Spannende Informationen und neuer Schub für meine Ideen!